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30. November 2011

In Ruhe trauern

Im neu gestalteten Abschiedszimmer des Klinikums können Angehörige und Freunde würdevoll um den Verstorbenen trauern. Sponsoren erbrachten 15.000 Euro für Umbau.

Den Tod begreifen. Dazu muss man die Gelegenheit haben, den Verstorbenen noch einmal zu sehen, zu berühren. Und Trauer braucht auch Raum. Deshalb gibt es seit vielen Jahren ein Abschiedszimmer im Klinikum Konstanz für alle, die nicht direkt nach dem Tod ihres Angehörigen oder Freundes Abschied nehmen können. Bisher war dieser Raum jedoch sehr nüchtern mit wenig Platz.

Vor zwei Jahren begann die Klinikverwaltung die Neuplanung gemeinsam mit den evangelischen und katholischen Klinik-Seelsorgern sowie Vertretern der Brückenpflege und des Hospizvereins. Die künstlerische Neugestaltung lag in den Händen der Gondersheimer Künstlerin Rosemarie Vollmer. Sie wurde auf Empfehlung von Peter Stengerl, dem Kunstbeauftragten der Diözese Freiburg, mit der Aufgabe der Neugestaltung betraut.

In einer kleinen Eröffnungsfeier dankte Klinikum Geschäftsführer Rainer Ott den Sponsoren, den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden, Nycomed, Bent Sörensen, den Rotary Clubs Mainau und Rheintorturm sowie einzelner Privatspender. Sie erbrachten rund 15 000 Euro, die für den Neubau und das Mobiliar verwendet werden konnten. Durch den Ausbau des Ärztehauses eröffnete sich die Chance den Raum zu vergrößern, da die Sakristei wegfiel. Wände wurden herausgerissen, ein neuer Boden verlegt.

Keine leichte Aufgabe. Denn der knapp 20 Quadratmeter große Raum besitzt keine Fenster, dafür eine Säule und zwei Türen - eine davor zur Pathologie - die die Möglichkeiten einschränkten. "Der Raum brauchte Licht und Farbe", sagt Rosemarie Vollmer. Ihre Lösung: Transparente Lichtkästen unterschiedlicher Größe in Schmelzfarbenmalerei, die den Raum in weiches, indirektes Licht tauchen. Farblich dominieren Rot-, Grün- und Gelbtöne, "Farben, die Kraft, Leben und Wachstum widerspiegeln". Die sandgestrahlten Glasoberflächen zeigen eine reiche Ornamentik, die an Wolken oder Pflanzen erinnert. Auf mittlerer Raumhöhe hat Rosemarie Vollmer eine auf und ab laufende schwarze Linie gezogen, die die Glaskästen verbindet. "Es ist wie die Linie des Lebens, die auf und nieder geht. Leben und Tod trennen sich hier".

"Der Verstorbene ist nicht plötzlich ein Gegenstand, den man entsorgt. Die Ehrung des Verstorbenen ist zutiefst mit dem Respekt vor dem toten Leib verbunden", erklärt Klinik-Seelsorger Andreas Kluger. "Abschied nehmen ist ein wichtiger Teil der Trauerbewältigung". Am Totenbett muss es Raum geben Schuld, Trauer, Zorn, Dank, Liebe - alle widersprüchlichen Gefühle - zulassen zu können. "Es ist ein Raum für die Verstorbenen, aber auch für die Lebenden".

Die Klinikseelsorger, Ralph Haas, Andreas Kluger und Martin Egervari im kunstvoll gestalteten neuen Abschiedsraum des Klinikums Konstanz

© Klinikum Konstanz

Abb: Die Klinikseelsorger, Ralph Haas, Andreas Kluger und Martin Egervari im kunstvoll gestalteten neuen Abschiedsraum des Klinikums Konstanz


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