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Klinikum Konstanz, Pressemitteilung
Donnerstag, 10.07.2009

Und plötzlich merkt man: Bewegung macht Spaß

Kooperation zwischen Universität und Klinikum Konstanz motiviert Adipositas-Patienten zu Sport

Bewegung macht Spaß und ist ein Stück Lebensqualität. Das vermitteln Sportstudentinnen der Universität Konstanz zwei Mal pro Woche Menschen mit starkem Übergewicht am Klinikum Konstanz - mit Erfolg. Von Monat zu Monat verzeichnen die Teilnehmer Fortschritte, sie genießen gesteigerte Ausdauer und Beweglichkeit, Gewichtsabnahme und Lebensfreude. Ins Leben gerufen wurde die Kooperation von Dr. Harald Tigges, Leiter des Adipositas Zentrums Bodensee.

Das Adipositas Zentrum Bodensee am Klinikum Konstanz legt Wert auf eine umfassende Betreuung von stark übergewichtigen Menschen. Kooperationspartner sind deshalb niedergelassene Ärzte genauso wie Ernährungsberater, Physiotherapeuten, Psychologen und seit einigen Monaten auch der Fachbereich Sportwissenschaft der Universität Konstanz. Dort wurde bereits ein Bewegungsprogramm für adipöse Kinder entwickelt und angewandt. Dieses dient nun auch als Grundlage für das Programm am Klinikum Konstanz unter der Regie der Dozentin Dr. Christiana Rosenberg-Ahlhaus.
"Im Vordergrund steht immer, Spaß an der Bewegung zu vermitteln", betont Aida Khusnullina. Die Studentin kommt zwei Mal pro Woche ans Klinikum, um die 15 bis 20 Teilnehmer des kostenlosen Programms zur Bewegung zu motivieren. "Sie schafft es immer, uns in Schwung zu bringen", sagt der 48-jährige Roland (Name geändert). Jedes Mal aufs Neue sei zwar der innere Schweinehund zu besiegen, aber schließlich überzeuge der Erfolg. "Ich kann plötzlich wieder Bewegungen, die ich vor einem halben Jahr nicht konnte, fühle mich entspannter und habe weniger Kopf- und Nackenschmerzen", zählt der 53-jährige Peter auf. Die Kräftigung der Muskulatur, Stärkung der Ausdauer, Gleichgewichts- und Dehnübungen sind Schwerpunkte des Bewegungsprogramms. "Dabei nutzen wir viele verschiedene Geräte wie Bälle, Schwing-Stäbe, Thera-Band", erläutert Susanne Gerstlauer, die ihre Abschlussarbeit über das Sportprogramm mit Adipositas-Patienten schreibt. Viel Abwechslung ist ihnen wichtig - und viel Spaß. In der Gruppe herrscht daher eine unverkrampfte, familiäre Atmosphäre. Humorvolle Bemerkungen zu den überschüssigen Pfunden fallen dabei nicht schwer. Der Stolz der Teilnehmer auf die Kraft gegen sie anzukämpfen, macht es möglich. "Am Anfang konnten wir nur eine halbe Stunde spazieren gehen, jetzt sind wir schon eine Stunde flott unterwegs", sagt die 48-jährige Maria.
Dr. Harald Tigges bestätigt den Erfolg der Bewegungsgruppe. "Er steht mit den Studentinnen wie auch mit den Teilnehmern in Kontakt und beurteilt den Erfolg als Mediziner. Manche Teilnehmer hat er bereits operiert, sie tragen ein Magenband, haben einen Magen-Bypass oder einen Schlauchmagen. "Zuerst setzen wir aber auf die konservative Therapie. Oft genügt das auch schon wie bei einem Teilnehmer, der seit Oktober 35 Kilogramm abgenommen hat", sagt Tigges. Ihm ist dabei weniger die absolute Kilogrammzahl wichtig, als der körperliche Gesamtzustand: "Das Übergewicht ist weniger problematisch als die Begleiterkrankungen, die durch das Übergewicht provoziert werden."
Der Erfolg der Teilnehmer erfordert viel Disziplin, trotz gelegentlicher Tiefs auf das nächste Hoch zu hinzuarbeiten. Nicht jeder hat diese Ausdauer: "Die Quote der Aussteiger liegt bei rund 40 Prozent, das ist nach wissenschaftlichen Statistiken bei konservativen Therapien üblich", erläutert Aida Khusnullina. Deshalb kann die Gruppe wieder neue Teilnehmer aufnehmen. Die Bewegungsgruppe trifft sich montags und mittwochs um 18 Uhr im Klinikum Konstanz. Weitere Informationen und Anmeldung sind erhältlich und möglich unter der Telefonnummer 07531/801-1101.

Kooperation zwischen Universität und Klinikum Konstanz

Ausdauer-, Kraft- und Dehnübungen gehören zum Programm der Adipositas-Bewegungsgruppe am Klinikum Konstanz. Dabei kommen sämtliche Hilfsmittel wie das Thera-Band (im Bild an den Fußknöcheln) zum Einsatz, um den Spaß an der Bewegung zu fördern. Bild: Klinikum Konstanz

Info Adipositas

Unter Adipositas versteht man krankhafte Fettsucht, die mit einer übermäßigen Bildung von Fettgewebe im Körper verbunden ist. Dazu kommt es, wenn der Energiehaushalt des Körpers nicht ausgeglichen ist, wenn der Körper also mehr Energie aufnimmt als er verbraucht. Von krankhafter Fettsucht spricht man bei einem Übergewicht von 45 kg über dem Idealgewicht oder bei doppeltem Normalgewicht. Adipositas I beginnt bei einem Body-Mass-Index ab 25 (der BMI errechnet sich durch das Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Quadratmetern).

Übergewicht kann viele Begleiterkrankungen provozieren. Es erhöht das Risiko beispielsweise für Diabetes, Gelenkprobleme, Bluthochdruck und Darmkrebs. Damit beeinträchtigt Übergewicht die Lebenserwartung.

Mehr Informationen zur Klinik für Visceral-, Thorax- und Gefäßchirurgie

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