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Für junge Eltern ist ein solcher Satz ein Schock: „Mit dem Herzen Ihres Kindes stimmt etwas nicht.“ Ausgerechnet das Herz. Wenn das nur unzuverlässig funktioniert, gerät das menschliche Leben aus dem Takt.
Viele Eltern aus den Landkreisen Konstanz, Sigmaringen, Waldshut-Tiengen, Tuttlingen und Rottweil kommen dann zu Dr. Thomas Seiler und seinen ärztlichen Kollegen Désirée Ehrlinspiel und Dr. Matthias Gass. Dr. Seiler ist Kinderkardiologe und damit auf die Herzen von jungen Menschen spezialisiert. Vor zehn Jahren hat er seine kinderkardiologische Praxis im Klinikum Konstanz eröffnet, wo er bereits als angestellter Oberarzt in der Neonatologie (Intensivstation für Neugeborene) die Kinderkardiologie „nebenher“ betreut hatte. „Aber der Bedarf war da, das konnte man nicht mehr nebenher leisten“, erinnert er sich.
Damals hatte seine Praxis in der Klinik noch Modellcharakter, heute ist die Verzahnung bundesweit etabliert. „Die Zusammenarbeit ist für beide Seiten fruchtbar“, bestätigt Privatdozent Dr. Peter Gessler, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche am Klinikum Konstanz.
Inzwischen untersucht Dr. Seiler, der eine dreijährige Zusatzausbildung am Universitätsklinikum Erlangen absolviert hat, gemeinsam mit seiner Praxispartnerin Désirée Ehrlinspiel rund 50 kleine Patienten pro Woche. Einmal pro Woche sind sie am Hegau-Klinikum in Singen, einmal pro Woche im Kantonsspital Münsterlingen in der Schweiz tätig. „In den meisten Fällen können wir den Eltern mitteilen, dass ihr Kind gesund ist“, sagt Seiler. Doch bei rund einem Prozent der Kinder liegt ein angeborener Herzfehler vor.
Dank eines hochmodernen Ultraschallgerätes, wie es auch in vielen Universitätskliniken benutzt wird, kann der Kinderkardiologe am Klinikum Konstanz Herzfehler wie undichte Herzklappen, Engstellen an den Klappen oder Löcher am Herzen erkennen. Das erlaubt ihm, mit den Eltern das weitere Vorgehen zu besprechen. Ist eine Operation nötig? Wann ist sie erforderlich? Wie sind Risiken, Gefahren und Erfolgsaussichten einzuschätzen? Schon die Kleinsten, die am Perinataler Schwerpunkt des Klinikums Konstanz zur Welt kommen, werden bei Bedarf von ihm untersucht.
Auf der Basis langjähriger Erfahrung und Spezialisierung ist es ihm möglich, den Eltern Perspektiven zu bieten. Bei rund zehn Prozent der diagnostizierten angeborenen Herzfehler ist eine Operation nötig. „Wir haben den Anspruch, dass wir bei Neugeborenen jeden Herzfehler erkennen“, sagt Seiler. Seit März 2009 besteht eine Kooperation zwischen Kinderklinik Konstanz, Herzzentrum Bodensee und der Praxis für Kinderkardiologie. Das Wissen des Kinderkardiologen Dr. Matthias Gass wird bei bedrohlichen Herz-Rhythmus-Störungen oder Kindern mit Herzschrittmachern hinzugezogen.
Neben dem Ultraschall können die Kinderkardiologen insbesondere bei älteren Kindern Untersuchungshilfen wie EKG einsetzen. Immer aber ist es den Ärzten ein Anliegen, die Kinder in einer entspannten Atmosphäre zu untersuchen. Dr. Seiler trägt selten einen weißen Arztkittel und hält für jeden kleinen Patienten 30 bis 45 Minuten Untersuchungszeit vor. So müssen seine Patienten kaum vor einer Untersuchung mit Medikamenten beruhigt werden, dank kurzer Wartezeit schaukelt sich die Nervosität nicht unnötig hoch. Und der anfängliche Schock für die Eltern löst sich in Zuversicht auf.
Wie können Eltern erkennen, dass ihr Kind an einer Herzerkrankung leidet? „Sie sollten ihr Kind untersuchen lassen, wenn es kaum körperliche Belastungen aushält“, erläutert Dr. Seiler. Das heißt bei einem Säugling: wenn er beim Trinken schwitzt, nur schwach am Stück trinken kann oder sich die Lippen blau färben. Und bei älteren Kindern: Wenn Kinder sich sehr ruhig verhalten und nicht wie andere herumtollen und spielen wollen oder wenn sie ohnmächtig werden.
Bildtext: Die kleine Smilla hat ihr Herz am rechten Fleck: Dr. Thomas Seiler untersucht per Ultraschall das Herz der jungen Patientin, das etwas weiter rechts liegt als beim Durchschnitt der Bevölkerung. Ihre Mutter Rahel Stuhlmann hält dabei ihre Tochter im Arm. Bild: Klinikum Konstanz
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