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Er ist der häufigste Grund für eine körperliche Behinderung im Erwachsenenalter und die dritthäufigste Todesursache in Deutschland: Was im Südwestdeutschen fast liebevoll "Schlägle" genannt wird, ist alles andere als so harmlos wie sein Name. Nach Angaben der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erleiden jedes Jahr rund 200 000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Am Klinikum Konstanz werden jährlich rund 250 Menschen wegen eines Schlaganfalls behandelt.
Seit 1997 verfügt das Haus über eine so genannte Stroke Unit, ein Kompetenzzentrum für die Behandlung von Schlaganfallpatienten. Dabei arbeitet das Klinikum eng mit den Kliniken Schmieder und - wenn eine Operation nötig - mit den Neurochirurgen am Herzzentrum Kreuzlingen, am Klinikum Schwenningen oder der Oberschwabenklinik Ravensburg zusammen. "Doch nur bei rund zehn Prozent der Schlaganfall-Patienten ist eine Operation hilfreich", erläutert Dr. Hans Büttner, Oberarzt am Zentrum für Innere Medizin (ZIM) des Klinikums. Bei allen Fällen jedoch ist die Zeit der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Behandlung.
Oft ist es für den Patienten selbst nicht leicht, Symptome des Schlaganfalls zu erkennen. Noch schwerer ist es für Kollegen, Freunde und Angehörige, Veränderungen als Alarmzeichen zu deuten, erläutert Büttner. Wenn die Zunge plötzlich nicht mehr gehorcht, wenn die Augen Doppelbilder produzieren, wenn eine Hand einige Minuten wie gelähmt scheint und bei halbseitigen großräumigen Lähmungserscheinungen sollten sich Betroffene schnellstmöglich in die Obhut von Fachleuten begeben. "Die ersten drei Stunden nach einem Schlaganfall sind sehr wichtig", betont Prof. Gert Müller-Esch, Klinikdirektor Medizin und Chefarzt des ZIM, der die Spezialstation für Schlaganfallpatienten aufgebaut hat.
Internisten, Neurologen (die neurologische Leitung liegt bei Dr. Ursula Trockel) und Radiologen arbeiten am Klinikum eng zusammen, um mit Unterstützung moderner Medizintechnik den Charakter des Schlaganfalls zu bestimmen und entsprechend zu reagieren. Schließlich werden sowohl eine Hirnblutung als auch die Verstopfung einer Blutbahn durch ein Gerinsel als Schlaganfall zusammen gefasst - die Symptome sind die gleichen, die Behandlung nicht. In beiden Fällen wird eine Region des Gehirns unterversorgt, was die befürchteten Folgen für Schlaganfallpatienten provoziert.
Bei einer Hirnblutung - bei rund zehn Prozent der Patienten - ist eine Operation in einer Neurochirurgischen Klinik sinnvoll, bei einer Verstopfung der Blutbahn muss das Gerinsel mit Hilfe von Medikamenten aufgelöst werden. "Damit die Therapie erfolgreich ist, müssen Blutdruck, Blutzucker, Körpertemperatur und weitere Körperfunktionen schnell optimal eingestellt werden", betont Hans Büttner.
In jedem Fall müssen unterversorgte Gehirnregion schnell gefordert und trainiert werden, um bleibende Schäden zu minimieren. Noch beim Aufenthalt im Klinikum arbeiten deshalb Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden mit den Patienten, um sie dem Ziel, ihren Alltag alleine meistern zu können, näher zu bringen. Das engmaschige interdisziplinäre Netz von Fachleuten lässt sie auch nach der Entlassung nicht fallen, sondern leitet die nötigen Rehabilitationsmaßnahmen ein. "Einzelkämpfer sind für die Behandlung von Schlaganfallpatienten nicht geeignet, vielmehr ist das gesammelte Fachwissen von Spezialisten gefragt", betont Hans Büttner.
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