Die Angst vor einer Amputation treibt zahlreiche Diabetes-Patienten um. Dennoch vernachlässigen viele die Pflege ihrer Füße. Kleine Wunden und Druckstellen können fatale Folgen haben. Seit 2007 hat sich am Klinikum Konstanz die Diabetes-Fußstation etabliert. Hier werden offene Wunden an Füßen interdisziplinär behandelt, um Amputationen zu vermeiden. "Aber die Patienten kommen oft viel zu spät zu uns", bedauert der Diabetologe Wolfgang Wehr.
Es ist fast immer das gleiche. "Leider", sagt Stephan Eder. Der Gefäßchirurg sieht Tag für Tag eitrige Wunden an Füßen, oft sind sie schwarz und übel riechend. Bei keinem Patienten mit offenen Stellen an den Füßen hätte es soweit kommen müssen. "Eigentlich bräuchte man uns hier nicht, wenn die Leute auf ihre Füße achten würden", sagt Eder. Doch Diabetes-Patienten leiden oft unter Gefühlsstörungen in den Füßen. Sie spüren nicht, wo sie der Schuh drückt. So können aus Druckstellen offene Wunden und Entzündungen entstehen. Die Wunde bleibt offen und entzündet sich immer mehr - ohne dass der Patient Schmerzen empfindet. "Leider sehen Diabetes-Patienten oft auch schlecht, so dass die Wunde unbemerkt weiter wachsen kann", hat der Internist Wehr beobachtet. Erst wenn die Wunde unangenehm riecht oder gar nicht mehr zu übersehen ist, lassen sie sich behandeln.
Dann ist eine fach- und berufsübergreifende Behandlung nötig. Auf der Fußstation des Klinikums betrachten gleichzeitig sowohl der Internist wie der Gefäßchirurg, die Wundmanagerin wie die Fußpflegerin und auch der Schuhmacher die Wunden. "Die Behandlung der Wunden an Füßen muss Hand in Hand gehen", betont der Diabetologe Wehr. Und die Wunden müssen schnell behandelt werden. "Die Füße explodieren regelrecht, wenn ein Infekt in der Wunde Fuß gefasst hat", erläutert Eder. Er betont: "Sobald eine offene Stelle besteht, handelt es sich um eine Notfallsituation." Dann müssen die Wunde gesäubert, der Eiter abgetragen und Keime behandelt werden. Gleichzeitig muss die Medikation des Diabetes-Patienten überprüft und eventuell neu eingestellt werden.
Im Jahr 2007 hat die interdisziplinäre Fußstation 90 Patienten behandelt, die Zahl 2008 wird höher sein mit Patienten aus einem weiten Umkreis bis ins Allgäu. Der Hälfte der Patienten konnte nach der Wundversorgung allein mit der Wegnahme des Drucks auf die Füße, also mit neuen, eigens angepassten Schuhen nachhaltig geholfen werden. Ein Drittel der Patienten litt unter Gefäßproblemen - ihnen half eine Operation. Dabei wurden die Gefäße aufgedehnt oder Bypässe gelegt, um die Durchblutung der Füße wiederherzustellen. "Geduld ist dennoch gefordert", erläutert Wehr. Die Wunden sind oft noch nicht verheilt, wenn die Patienten die Fußstation verlassen. Aber die Ärzte stehen in engem Kontakt mit den Hausärzten sowie dem ambulanten Pflegedienst, der die Wundpflege Zuhause versorgt. Doch um es erst gar nicht soweit kommen zu lassen, raten die Ärzte: Jeder Diabetiker, der Gefühlsstörungen an den Füßen hat, sollte seine Füße regelmäßig von einem professionellen Fußpfleger (Podologen) inspizieren lassen.

Weitere Informationen im Wundtherapiezentrum am Klinikum Konstanz, Telefon 07531/801-1102 Oder per E-Mail: wundzentrum@klinikum-konstanz.de