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© Klinikum Konstanz
Der kleine Tim ist nicht zu beruhigen. Trotz Schnuller, Schnuffeltuch, Lieblingshase und Stillversuchen schreit der drei Monate alte Junge mit rot angelaufenem Gesicht. Seine Mutter, die bereits zwei Kinder glücklich groß gezogen hat, weiß nicht mehr weiter, sie ist genervt und erschöpft. Ihr droht der Geduldsfaden zu reißen.
"Das kann an die Substanz gehen", sagt Petra Scherbarth-Roschmann. Die Psychologin arbeitet im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) an der Klinik für Kinder und Jugendliche in Konstanz und steht dabei seit über zehn Jahren vielen Eltern mit so genannten "Schreibabys" beratend zur Seite.
Das SPZ hilft den Eltern nicht nur in der "Säuglings- und Kleinkindersprechstunde", einer Spezialambulanz des SPZ, Eltern können auch spontan um stationäre Aufnahme bitten, wenn Sie nicht mehr weiter wissen. Die Kinderklinik hält einen eigens für ihre Bedürfnisse eingerichteten und freundlich gestalteten Raum vor, in dem der Säugling mit seiner Mutter bleiben kann. Während des Aufenthalts werden Kind und Eltern von einem interdisziplinären Team aus Kinderärzten, Kinderneurologen, Psychologin, Physiotherapeuten und speziell geschulten Kinderkrankenschwestern betreut.
Die stationäre Aufnahme ist allerdings die Ausnahme, aber vielleicht ein Rettungsanker, bevor Schlimmeres passiert. 18 der zirka 160 behandelten Kinder mit frühkindlichen Regulationsstörungen im Alter von bis zu drei Jahren sind im vergangenen Jahr in der Kinderklinik aufgenommen worden. "Meistens ist den Eltern schon mit einem Besuch in unserer Säuglings- und Kleinkindersprechstunde geholfen", hat die Psychologin Scherbarth-Roschmann beobachtet.
Hier werden bei einem gemeinsamen ärztlich/psychologischen Ersttermin mögliche organische Ursachen für die Schrei-, Schlaf-, oder Fütterstörungen und anderen Verhaltensproblemen untersucht, aber auch der Alltagsrhythmus des Kindes unter die Lupe genommen. Manchmal geraten Eltern und Kind in einen Teufelskreis, der durch chronischen Schlafmangel und Überreizung gekennzeichnet ist, erläutert die Psychologin. Weil aber die Signale von Schreibabys oft schwer zu deuten seien, können sich Eltern mittels Videoanalyse helfen lassen. Reicht eine Sitzung nicht aus, bietet das SPZ auch begleitende Telefonberatung an. Obwohl das Einzugsgebiet des SPZ rund um den Bodensee bis Oberschwaben und in den Schwarzwald reicht, sorgt das Team des SPZ auch hier für eine schnelle Terminvereinbarung.
Eltern von Schreibabys müssen sich nicht schämen: Rund 20 Prozent aller Neugeborenen haben unter frühkindlichen Regulationsstörungen zu leiden, unabhängig vom gesellschaftlichem Milieu. Als Schreibabys gelten Kinder, die an mehr als drei Tagen mehr als drei Stunden lang weinen und dies mindestens drei Wochen lang. Die Ärzte und Therapeuten der Konstanzer Säuglings- und Kleinkindersprechstunde raten Eltern dazu, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen, bevor möglicherweise Aggressionen gegen das Kind aufkommen.
Warum manche Kinder scheinbar zu "kleinen Tyrannen" werden, ist unklar. Stress in der Schwangerschaft, sei es beruflich, persönliche Existenzängste oder auch die Angst, das Kind zu verlieren, können eine Rolle spielen.
Die Säuglings- und Kleinkindersprechstunde des Sozialpädiatrischen Zentrums am Klinikum Konstanz ist unter der Telefonnummer 07531/801-1677 zu erreichen. In Notfällen ist der diensthabende Arzt der Kinderklinik unter über die Zentrale 07531/801-0 zu erreichen.
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