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Erkrankungen des Afters und Stuhlinkontinenz
1. Hämorrhoiden
2. Stuhlinkontinenz
1. Hämorrhoiden
Hämorrhoiden sind natürlich vorkommende Venenkissen im Afterbereich. Unter ungünstigen Druckverhältnissen, vor allem beim Pressen während des Stuhlganges, können sie entweder akut oder chronisch anschwellen. Man unterscheidet "innere" (typische) von "äusseren" (akut auftretende, schmerzhafte) Hämorrhoiden.
Was sind die Symptome:
Typische Symptome des Hämorrhoidalleidens sind Blutauflagerungen auf dem Stuhl oder Toilettenpapier sowie Gefühl eines knotigen Vorfalles während oder nach dem Stuhlgang. Typisches Begleitsymptom ist Juckreiz. Während der Schwangerschaft treten häufig Hämorrhoiden auf, welche in aller Regel nach Geburt wieder verschwinden. Bei Vorliegen von harten schmerzhaften Knoten besteht eine sogenannte "äussere" Thrombose, welche nach starkem Pressen auftreten kann.
Stadien der Hämorrhoiden
Hämorrhoidenstadium I  geringgradige Vergrößerung der Hämorrhoidalpölster, häufig mit Blutung
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Hämorrhoidenstadium II  zeitweiliger Vorfall der vergrößerten Hämorrhoidalpölster, Konvolute beim Pressen u.U. außen sichtbar
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Hämorrhoidenstadium III  fixierter, nur mittels Finger reponierbarer oder totaler Hämorrhoidalprolaps
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Hämorrhoidenstadium IV  fixierter, mit dem Finger nicht mehr reponierbarer partieller oder totaler Hämorrhoidalprolaps
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Therapie:
Die Behandlung des Hämorrhoidalleidens ist in aller Regel konservativ und ist auf die Behandlung der häufig zugrundeliegenden Stuhlgangsunregelmäßigkeit ausgerichtet.
Kleinere Hämorrhoiden und geringe Blutungen können mittels Salben, Gummibandligaturen nach Baron oder auch Verödung behandelt werden.
Bei regelmässigem lästigen Vorfall und grossen Hämorrhoiden empfiehlt sich die operative Sanierung. Die krankhaft vergrösserten Hämorrhoidalkissen werden mit den begleitenden Hautzipfeln (sog. Marisken) in Teil- oder Vollnarkose ausgeschnitten. Die Genesungsdauer nach Operation beträgt durchschnittlich 14-21 Tage, davon ca. 2-3 Tage im Spital. Allerdings können aber auch viele dieser Eingriffe heutzutage ambulant durchgeführt werden.
Insbesondere eignet sich dazu eine neuere Methode, bei der die erweiterten Venenkissen mittels eines Schneide-Klammer-Apparates entfernt werden. Diese Operationsmethode nach Longo wird als minimal-invasiver Eingriff geführt, da die eigentlich Wunde in den weniger empfindlichen Teil der Enddarmschleimhaut gelegt wird. Die Indikation für diese Operation ist das Hämorrhodiebstadium III und der Vorfall der Afterschleimhaut (Analprolaps).

Abb.li.) Durchführung der OP nach Longo
Abb.re.) Bild eines Analprolaps
Zur Prophylaxe weiteren Auftretens von Hämorrhoiden muss unbedingt eine lebenslange Stuhlregulierung mit Vermeiden von Pressen erfolgen.
Die akute Hämorrhoidalthrombose wird am schnellsten mit einem kleinen Schnitt zur Entlastung des Gerinnsels behandelt.
Weitere Erkrankungen des Afters sind Fissuren (meist schmerzhafte Einrisse direkt im Afterkanal) und die Fisteln, die einer differenzierten Diagnostik und Beratung und Therapie unterzogen werden müssen.
Zur Diagnostik gehört hier die Endosonographie des Enddarmes, die gerne auch ambulant angeboten wird.
2. Stuhlinkontinenz
Unter Stuhlinkontinenz versteht man die Unfähigkeit Stuhl willentlich bis zur gewünschten Stuhlentleerung zurückzuhalten. Es werden grundsätzlich drei Schweregrade der Inkontinenz unterschieden.
Grad I
gelegentliches Stuhlschmieren oder Abgang von Darmgasen
Grad II
die Unfähigkeit, flüssigen Stuhl willentlich zurückzuhalten
Grad III
Unfähigkeit, festen Stuhl willentlich zurückzuhalten.
Ursachen einer Stuhlinkontinenz
Die Ursachen einer Stuhlinkontinenz sind sehr vielschichtig. Es ist ein komplexes Zusammenspiel zwischen dem Mastdarm, dem Nervensystem des Darmes, der Muskulatur des Beckenbodens erforderlich, um eine willentliche Stuhlentleerung durchzuführen und Stuhl willentlich zurückzuhalten. Zahlreiche soziale und psychische Komponenten kommen natürlich hinzu. Alle Störungen können einzeln oder auch in Kombination auftreten. Sehr häufig finden sich Inkontinenzprobleme kombiniert mit dem Vorfall des Mastdarmes, mit Verletzung der Schließmuskulatur, die auch viele Jahre zurück liegen können und gelegentlich lässt sich trotz intensiver Suche keine richtige Ursache feststellen.
Sie stehen mit diesem Problem nicht alleine da. In Deutschland wird die Zahl der inkontinenten Patienten auf über 1 Million geschätzt. Die starken Einschränkungen im Sozialleben, die psychischen Probleme, verbunden mit der Scham über diese Erkrankung zu reden oder sich untersuchen zu lassen, ergeben eine hohe Dunkelziffer.
Zu den klassischen Untersuchungen nach der Befragung und körperlichen Untersuchung gehören bei der Inkontinenz die Spiegelung des Mastdarmes und des Afterkanals (Rektoskopie und Proktoskopie), weiterhin die Ultraschalluntersuchung des Schließmuskels, die Funktionsprüfung des Afters und die Röntgenuntersuchung des Stuhlgangs (Defäkogramm).
Behandlung der Stuhlinkontinenz
Zu den therapeutischen Prinzipien gehört natürlich die Behandlung der Grunderkrankung, z. B. die Behandlung eines Mastdarmvorfalls oder auch einer Hämorrhoidenerkrankung. In manchen Fällen ist eine Operation vom Bauch aus sinnvoll, um z. B. einen schweren Mastdarmvorfall zu beheben. Zu den konservativen Therapiemöglichkeiten gehört die Beckenbodengymnastik, das Bio-feed-back-Training, d.h. die Steigerung des Trainingseffektes durch Sichtbarmachung des Erfolges, d.h. man erhält eine Rückmeldung über die Schließmuskelfunktion und in seltenen Fällen auch die Elektrostimulation des Schließmuskels direkt (passives Training).
 Abb. Bild eines Enddarmvorfalls (Rektumprolaps)
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 Abb. Situation nach OP
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Bei Vorliegen eines Enddarmvorfalls (Rektumprolaps) hilft nur die Operation vom bauch und ggf. kombiniert vom After her. Die Fixierung des Enddarmes neu und die Stärkung der Beckenbodenmuskulatur sind dabei die Verfahrenschritte der ersten Wahl, zahlreiche Kombinationen mit anderen Operationsschritten sind aber erforderlich, um eine solche Erkrankung dauerhaft zu heilen.
Wenn Sie Fragen haben oder sich einer Untersuchung unterziehen möchten, können Sie sich gerne in unserer Sprechstunde vorstellen.
Nach telefonischer Anmeldung unter 07531 / 801 - 1101 findet Mittwochs von 11.00 bis 12.00 Uhr eine Sprechstunde statt.
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