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Die Entnahme eines Sentinel- (Wächter-) Lymphknotens ist neu in das Therapiekonzept bei zahlreichen Erkrankungen aufgenommen worden. Paradebeispiel ist hierfür die Therapie und Diagnostik des malignen Melanoms. Aber auch bei anderen Tumoren, z.B. beim Brustkrebs und neuerdings auch beim Dickdarmkrebs spielt der Wächterlymphknoten eine Rolle.
Prognostische Faktoren beim Melanom sind die Tumordicke und das Vorhandensein von Lymphknotenmetastasen. In der klassischen Vorgehensweise erfolgte nach Diagnose eines Melanoms die elektive Lymphknotendissektion. Das Ergebnis dabei waren, dass 25 % vorher nicht bekannte Lymphknotenmetastasen entdeckt wurden. Aber in 75 % der Fälle war die Dissektion nicht erforderlich. Hinzu kam und kommt die relativ hohe Komplikationsrate in Form von Lymphfisteln, Infekt, Blutungen etc. die sich im Bereich der Leiste mit bis zu 40 % manifestieren und in der Achselhöhle bis zu 25 %. 1992 wurde daher die Sentinel-Lymphknotenbiopsie oder -ektomie (SLNE) eingeführt. Diesem Prinzip zugrunde liegt die Tatsache, dass der Wächterlymphknoten der erste drainierende Lymphknoten in einem Abstromgebiet ist. Wenn dieser frei ist, dann sind keine weiteren Metastasen in den nachgeschalteten Lymphknoten auffällig, d.h., die Lymphadenektomie entfällt.
© Klinikum Konstanz
Abb 1: Typisches Lymphknotenmapping eines Melanoms vom Rücken mit Wächterlymphknoten in der linken Achselhöhle und beiden Leisten
Es erfolgt ein so genanntes Mapping (Markierung) radioaktiv unterhalb des OP-Gebietes des Melanoms und die Verfolgung der Abflussstraßen. Es lassen sich dann einer oder mehrere Wächterlymphknoten identifizieren. Diese werden entsprechend im OP mit einer so genannten Gamma-Sonde detektiert, entfernt und zur histologischen Untersuchung eingesandt.
Die Indikation zur Sentinel- Lymphknotenentfernung sind Melanome mit einer Tumordicke größer 0,75 mm, die Tumorstadien IB bis III und Patienten ohne ausgiebige Voroperationen in den Leisten.
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Abb 2:Gammasonde mit Detektion eines entnommenen Lymphknoten
Die nuklearmedizinische Identifikationsrate für den Wächterlymphknoten liegt bei über 90 %. Intraoperativ lassen sich in 97 % die vorher identifizierten Wächterlymphknoten auch wieder finden. 25 % der Patienten in diesen Tumorstadien haben positive Lymphknotenbefunde. Führt man bei diesen anschließend eine Dissektion aus, so findet sich in etwa der Hälfte der Patienten mit einem positiven Wächterlymphknoten weitere positive Lymphknoten.
Die Dissektion ändert zwar nicht die Prognose des Melanoms, führt aber zu einer Verbesserung des Staging und damit ermöglicht es, Patienten stadiengerecht verschiedenen therapeutischen Verfahren zuzuordnen.
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