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Klinikum Konstanz

Klinik für Visceral-, Kinder-
und Gefäßchirurgie

 

Erkrankungen der Speiseröhre, des Magens und Zwölffingerdarmes

  Divertikel der Speiseröhre
  Bewegungsstörungen der Speiseröhre
  Versorgung einer Ösophagusperforation
  Speiseröhrentumoren
  Das Mageneingangskarzinom (Cardia-
       Karzinom)

  Magengeschwüre und ihre operative Therapie
  Magentumore

Divertikel der Speiseröhre

Divertikel an der Speiseröhre können entweder die gesamte Wand betreffen oder nur vorgewölbte Schleimhautausstülpungen sein (Pseudodivertikel). Letztere treten hauptsächlich in Höhe der Schließmuskeln, d. h. des oberen und des unteren ösophagealen Sphinkters, auf. Das bekannteste und häufigste Divertikel an der Speiseröhre ist das sog. Zenker'sche Divertikel.
Symptome sind Schluckbeschwerden, Regurgitationen und Mundgeruch.
Die am häufigsten angewendete Operationsform ist sicher die Myotomie in Kombination mit der Resektion des Divertikels.

Bifurkationsdivertikel und epiphrenische Divertikel sind eher selten. Die Divertikel auf Höhe der Bifurkation wurden auch früher als Traktionsdivertikel bezeichnet, da man als Ursache einen Narbenzug durch entzündete Lymphknoten bei Tuberkulose postulierte. Diese Divertikelform ist häufig asymptomatisch. Klinisch auffällig können epiphrenische Divertikel werden, die wiederum durch eine Koordinationsstörung, häufig des unteren ösophagealen Sphinkters oder auch der tubulären Speiseröhre verursacht werden. In Abhängigkeit von ihrer Lage sowie der Erfahrung des Operateurs können diese Divertikel entweder transhiatal oder transthorakal entfernt und eine Myotomie kombiniert werden. Sowohl laparoskopisch als auch thorakoskopisch sind Zugangsmöglichkeiten für den Erfahrenen in der minimal invasiven Technik gegeben. Sinnvollerweise verwendet man am besten ein lineares Klammernahtgerät, mit dem das Divertikel gleichzeitig abgesetzt und die Speiseröhre verschlossen werden kann. Eine Myotomie des unteren ösophagealen Sphinkters in jedem Falle ist zur Rezidivprophylaxe wichtig.

Bewegungsstörungen der Speiseröhre

Dysphagie und retrosternale Schmerzen werden als primäre Symptome bei ösophagealen Motilitätsstörungen (Bewegungsstörung) betrachtet.
Alle Möglichkeiten der konservativen Therapie sollten erst ausgeschöpft werden. Die Indikation zur langstreckigen Ösophagusmyotomie ist bei den schweren Fällen mit Dysphagie und Schmerzen indiziert. Dies ist besonders dann von Bedeutung, wenn abschnittsweise oder generalisierte Simultankontraktionen nachweisbar sind und trotz medikamentöser Therapie wenig beeinflußbare Symptome weiter bestehen und die Lebensqualität des Patienten erheblich eingeschränkt ist oder gar Gewichtsverlust vorliegt. Die Technik der langstreckigen Ösophagusmyotomie gleicht im wesentlichen der Myotomie des unteren ösophagealen Sphinkters. Die offene Myotomie wird über

Bei der Achalasie ist die wesentliche Störung die reduzierte Relaxierung des unteren ösophagealen Sphinkters durch Reduktion der Anzahl inhibitorischer intramuraler Ganglienzellen im Plexus myentericus und gleichzeitig ein Peristaltikverlust in der tubulären Speiseröhre und damit ein Mißverhältnis zwischen Ausflußwiderstand und Pumpkraft der Speiseröhre. Da die Pharmakotherapie der Achalasie enttäuschend ist, kommen hauptsächlich endoskopische Verfahren wie die endoskopische pneumatische Dilatation und die Botulinustoxininjektion zur Anwendung. Die pneumatische Dilatation, beruhend auf einer mechanischen Überdehnung des unteren ösophagealen Sphinkters mit Hilfe eines Ballondilatators gilt als Therapie der ersten Wahl und führt bei etwa 70% der behandelten Patienten zu einem guten Therapie-Erfolg, der bei mindestens 30 bis 40% der Patienten auch dauerhaft ist. Bei einem Drittel der Achalasiepatienten ist die endoskopische Behandlung und auch die Botox-Injektion enttäuschend.

Die Myotomie des nicht relaxierenden unteren ösophagealen Sphinkters mit oder ohne Kombination einer Antirefluxmaßnahme ist eine sehr effektive Behandlungsmethode dieser Erkrankung. Die Myotomie kann offen transthorakal, thorakoskopisch oder auch transabdominell sowie laparoskopisch durchgeführt werden.

Versorgung einer Ösophagusperforation

Ösophagusperforationen können durch endoskopische Untersuchungen oder auch Behandlungsmaßnahmen wie Bougierungen oder Dilatationen auftreten. Als spezielle Form der Perforation darf man die Ösophagusruptur bezeichnen, wie sie z. B. als spontane Ösophagusruptur beim Boerhaave-Syndrom auftritt. Durch kurzzeitigen intraösophagealen Druckanstieg beim Erbrechen kann es zu einem Einriss der Ösophaguswand direkt über dem Zwerchfell kommen.

Während bei instrumentellen Verletzungen der Ösophaguswand nicht zwangsläufig eine operative Revision indiziert ist, ist dies aber bei eher langstreckigen Ösophagusrupturen unbedingt notwendig. Die Indikation zur Operation oder eine konservative Behandlung muss vom Zustand des Patienten, der Lokalisation und dem Ausmaß der Läsion und z. B. einer Verbindung zur Pleurahöhle abhängig gemacht werden. Bei instrumentellen endoskopischen Verletzungen der Speiseröhre ist der Patient meistens nüchtern und es kann bei begrenzten Läsionen eine konservative Haltung eingehalten werden. Beim Boerhaave-Syndrom muss die OP-Indikation gestellt werden und man kann entweder von links transthorakal oder von abdominell vorgegangen werden. Meistens lässt sich der Ösophagus wieder direkt vernähen. In Abhängigkeit von der Sicherheit des Verschlusses kann der Magenfundus noch mobilisiert werden und als Abdeckung für die Perforationsstelle verwendet werden.

Zwerchfellhernien
Die Hiatushernie stellt eine Verlagerung des proximalen Magenabschnittes durch den Hiatus ösophagei in das untere Mediastinum dar. Während normalerweise der Ösophagus einen intraabdominellen Anteil von wenigen Zentimetern hat, kommt es bei der axialen Hiatusgleithernie zu einer Lockerung der phrenico-ösophagealen Membran und des Aufhängeapparates am Hiatus, so dass der proximale Abschnitt des Magens mit der Cardia in das untere Mediastinum hineingleiten kann. Bei der paraösophagealen Hernie handelt es sich um ein eher isoliertes Durchschieben des Fundus durch den Hiatus ösophagei, wobei der distale Ösophagus mit dem unteren ösophagealen Sphinkter fast in dem unmittelbaren Bereich des Hiatus bleibt und somit auch nicht zwingend eine Refluxproblematik besteht, sondern die Indikation zur Operation eher die Schmerzen, die mögliche Einklemmung und das Druckgefühl des Patienten vor allem postprandial darstellen. Bei der gemischten Hernie ist nicht nur der proximale Magen in das untere Mediastinum gerutscht, sondern der gesamte kraniale Abschnitt des Magens incl. des Fundus. Ein fast vollständiges Hineinrutschen des Magens mit einer Drehung in das untere Mediastinum mit möglicher Kompression von Herz und Lunge, stellt der Upside-down-Magen oder der Thoraxmagen dar. Die axiale Hiatushernie ist mit 90% die häufigste Form der Hiatushernie und bei einem Drittel bis einer Hälfte der Gesunden jenseits des 50. Lebensjahres feststellbar. 80% der Refluxkranken haben eine Hiatushernie und somit ist die gastroösophageale Refluxkrankheit eng mit der Anwesenheit einer Hiatushernie verknüpft, auch wenn es keine zwingende Assoziation ist.

Barrett-Ösophagus
Für die Chirurgen hat Skinner eine klassische Definition des Barrett-Ösophagus 1983 geprägt. Danach liegt ein Barrett-Ösophagus vor, wenn in der Speiseröhre das Plattenepithel im distalen Bereich durch Zylinderepithel (columnar lined epithelium) auf einer Strecke von 3 cm oder mehr ersetzt ist. Später wurde von Gastroenterologen diese Definition auf 2 cm verändert. Die Notwendigkeit zu diesen Definitionen geht auf die Tatsache zurück, dass bei vielen Patienten die präzise Bestimmung des gastroösophagealen Schleimhautübergangs durch zungenförmige Ausläufer des Zylinderepithels erschwert sein kann und somit eine endoskopisch genaue Differenzierung des Barrett-Epithels manchmal schwierig ist.

Gegenwärtig muss der Barrett-Ösophagus endoskopisch-histologisch definiert werden mit der Präsenz von spezialisiertem Epithel mit intestinaler Metaplasie. Ein "short segment" Barrett- Ösophagus liegt vor, wenn in der unteren Speiseröhre das Plattenepithel im unteren Abschnitt durch spezialisiertes Zylinderepithel mit intestinaler Metaplasie ersetzt ist, auch wenn dieses Segment kürzer als 2 oder 3 cm ist. Inwieweit durch neue endoskopische Ablationsverfahren des Barrettepithels das Entartungsrisiko reduziert werden kann, ist noch völlig unklar. Gegenwärtig gilt weiter, dass weder die medikamentöse noch die chirurgische Antirefluxtherapie eine Garantie für die Verhinderung der Metaplasie-Dysplasie-Karzinom-Sequenz darstellt (Abb.)

Karzinom
Karzinom im Übergang von Speiseröhre zu Magen bei Barett-Epithel - Resektion bei bösartigem Tumor nun zwingend erforderlich

Speiseröhrentumoren

Gutartige Tumoren der Speiseröhre sind sehr selten. Meistens handelt es sich um Leiomyome, Fibrome oder Hämangiome. Diese gutartigen Tumoren sind lange symptomfrei und werden nicht selten zufällig entdeckt. Größere Formen verursachen Dysphagie oder retrosternale Schmerzen. In Abhängigkeit von der Höhenlokalisation können sie im unteren Abschnitt noch transhiatal angegangen werden; sonst ist eine rechtsthorakaler Zugang sinnvoll. Hierbei sollte immer versucht werden, den Tumor aus der Wand herauszuschälen, um damit dem Patienten eine Resektion zu ersparen. Bei größeren Tumoren kann eine Segmentresektion der Speiseröhre notwendig werden. In diesen seltenen Fällen kann zur Rekonstruktion ein Dünndarmsegment verwendet werden.

Bösartige Ösophagustumoren (Tabelle) kommen in verschiedenen Regionen der Erde mit unterschiedlicher Häufigkeit vor. Dies deutet auf einen Einfluß von exogenen Faktoren auf die Karzinomentwicklung hin. Während bis vor 15 Jahren Plattenepithelkarzinome der Speiseröhre die häufigste Form darstellten, hat die Inzidenz der Adenokarzinome in den letzten 10-20 Jahren zugenommen. Inzwischen spielt diese Häufigkeitszunahme der Adenokarzinome der distalen Speiseröhre eine wesentliche Rolle und wird intensiv im Rahmen der Karzinogenese des Barrett-Ösophagus erforscht.

Ösophagus-Karzinom

Endoskopie / Histologie
Endosonographie
Computertomographie
Risikobeurteilung
Laparoskopie

multimodales Konzept:
Ösophagus-Resektion
ggf. neoadjuvante Radiochemotherapie
endoskopische Palliationsverfahren

bei Frühkarzinomen
endoskopische, minimal invasive Verfahren in Studien

Alkohol und Nikotin sind für das Plattenepithel-Ca. prädisponierende Faktoren. Beim Adeno-Ca. geht häufiger eine lang andauernde gastroösophageale Refluxkrankheit mit nachfolgender Reflux-Metaplasie-Dysplasie-Karzinom-Sequenz voraus. Weitere Risikoerkrankungen für die Entstehung eines Ösophagus-Ca. sind das Plummer-Syndrom, narbige Veränderungen nach Verätzungen, die Achalasie und der bereits erwähnte Barrett-Ösophagus oder Endobrachy-Ösophagus. Für die Chirurgie relevant ist die Einteilung der Karzinome in proximale und distale Karzinome, d. h. Karzinome, die einen unmittelbaren Bezug zur Trachea haben und solche, die unterhalb der Trachealbifurkation gewachsen sind. Tumoren der proximalen Speiseröhre erreichen viel schneller durch die enge Nachbarschaft andere Organe und können deswegen seltener radikal operiert werden als die Tumoren im distalen Abschnitt der Speiseröhre.

Das primäre Ziel der chirurgischen Therapie von Ösophagustumoren ist die onkologisch radikale R-0-Resektion mit der histologisch intra- und postoperativ abgesicherten Tumorfreiheit.

Bei T4-Tumoren sowie bei einer ausgedehnten Lymphknotenmetastasierung nach zervikal oder in den Oberbauch erscheint die radikale Ausräumung aller Tumorzellen allein mit chirurgischen Maßnahmen illusorisch und es muss deswegen eine neoadjuvante Radiochemotherapie in Erwägung gezogen werden.

Adjuvante Behandlungsmaßnahmen wie die prä- oder postoperative Chemotherapie oder Radiotherapie haben die Prognose des Ösophagus-Ca. nicht beeinflussen können. Die palliative Therapie besteht bei vielen ausgedehnten Tumoren mit Infiltration der Umgebung und Fernmetastasen im wesentlichen in der Wiederherstellung der Speisepassage entweder durch endoskopische Tumorabtragung mit Laser, Argonplasmakoagulation oder Tubus- bzw. Stent-Implantation. Da bei fortgeschrittenen Tumoren die Patienten meistens in einem schlechten Allgemeinzustand sind, ist die operative Umgehung der Stenose oder operative Bypassmaßnahmen oder Ernährungsfisteln den endoskopischen Palliativmaßnahmen gewichen.

Die Prognose des Ösophagus-Ca., sowohl des Adeno-Ca. als auch des Plattenepithel-Ca. bleibt weiter ungünstig, auch wenn durch entsprechende Patientenselektion und standardisierte Technik die Fünfjahresüberlebensrate zwischen 20 und 40% liegen kann.

Bei Frühkarzinomen der Speiseröhre ist eine endoskopische Mukosaresektion (IMR) gerechtfertigt, wenn man durch eine entsprechend hohe Qualität der präoperativen Diagnostik festgestellt hat, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein auf die Mukosa begrenztes, nicht in die Submucosa infiltriertes Frühkarzinom handelt oder um eine unklare Situation zwischen hochgradiger Dysplasie und Frühkarzinom. Auf jeden Fall ist es wichtig, dass bei dieser begrenzten Resektionstechnik das Präparat von einem versierten gastroenterologischen Pathologen zu untersuchen, um eine Infiltration in die Submucosa auszuschließen, da in letzterem Fall eine Ösophagektomie erforderlich wäre bei Lymphknotenmetastasierung, was in bis zu 20% erwartet werden muss. Als Alternative zur endoskopischen Mucosaresektion und zur subtotalen Ösophagektomie hat sich die begrenzte Cardia-Resektion und der Ersatz des gastroösophagealen Übergangs durch ein Dünndarm-Interponat (Merendino-Operation) angewendet. Mit diesem Verfahren besteht jedoch nur begrenzte Erfahrung, und deswegen sollte in allen Zweifelsfällen immer eine radikale subtotale Ösophagektomie erfolgen.

Das Mageneingangskarzinom (Cardia-Karzinom)

Zum Cardia-Karzinom wurde von Siewert bereits 1987 eine Klassifikation angegeben, die inzwischen auch international anerkannt wurde. Beim Cardia-Ca. Typ 1 liegt in über 80% ein Barrett-Ca. vor. Hierbei ist zu beachten, dass die von Siewert angegebenen 9,9% Barrett-Inzidenz beim Typ 2-Cardia-Ca. auf der klassischen Barrett-Definition basieren, während die 40%-Inzidenz amerikanischen Arbeiten auch "short segment" Barrett-Patienten enthalten. Hieraus lässt sich ableiten, dass beim Cardia-Ca. Typ 1, d. h. ein Adeno-Ca. der distalen Speiseröhre, in mindestens 80% spezialisiertes Zylinderepithel mit intestinaler Metaplasie gefunden wird und damit die Kriterien des Barrett-Karzinom erfüllt sind. Beim Typ 2, dem eigentlichen Cardia-Ca., hängt die Prävalenz des Barrett-Karzinoms selbstverständlich naturgemäß von der gewählten Definition des Barrett-Ösophagus ab und ist in Abhängigkeit von dieser zwischen 10 und über 40% festzustellen. Beim Typ-3-Cardia-Ca. oder hochgewachsenen Fundus-Ca. ist die intestinale Metaplasie im spezialisierten Epithel eher ein seltener Befund.
Die Rekonstruktion nach subtotaler Ösophagektomie erfolgt in aller Regel mit einem Magenschlauch, der entweder mit intrathorakaler Anastomose oder bei colarem Hochzug mit colaren Anastomose an den Ösophagusstumpf angehängt wird. Wir verzichten immer auf eine Pyloroplastik und führen lediglich eine intraoperative Dehnung des Pylorus durch. Nur bei Unmöglichkeit der Verwendung des Magens nach Voroperationen wird ein Coloninterponat verwendet.

Beim Kardia-Karzinom Typ II wird in knapp der Hälfte der Fälle ein spezialisiertes Epithel mit intestinaler Metaplasie festgestellt. Es ist anzunehmen, dass bei den meisten dieser Karzinome der maligne Prozeß die Gebiete der intestinalen Metaplasie bereits überwuchert hat, so dass diese nicht mehr nachzuweisen sind. Dieses echte Kardia-Karzinom, das sehr häufig auf den unmittelbaren gastroösophagealen Übergang in einem Bereich von etwa 2-3 cm beschränkt ist, stellt einen Grenzbefund zwischen dem Typ I, dem Barrett-Karzinom der distalen Speiseröhre und dem Typ III, dem hochgewachsenen Funduskarzinom dar. Deswegen kann hier das Therapiekonzept auch nicht immer einheitlich festgelegt werden. Als onkologisches Mindestausmaß einer Resektion werden Sicherheitsabstände nach proximal und distal von jeweils etwa 10 cm und eine 2-Feld-Lymphknotendissektion des unteren Mediastinums und des Oberbauches gefordert.

Beim Kardia-Karzinom Typ III findet sich nur in Ausnahmefällen spezialisiertes Epithel mit intestinaler Metaplasie, da es sich um ein hochgewachsenes Magenfunduskarzinom handelt, was die Kardia infiltriert hat. Die Therapie erfolgt gemäß den Regeln für das Magenkarzinom. Das Resektionsausmaß muss natürlich so weit die untere Speiseröhre miterfassen, dass eine Radikalität gewährleistet ist. Eine Lymphadenektomie schließt sich der Behandlung des Magenkarzinoms und der zusätzlichen Ausräumung des unteren Mediastinums an.

Magengeschwüre und ihre operative Therapie

Chirurgie der Ulkuskomplikationen (Tabelle)
Im Gegensatz zur Indikation der elektiven Ulkuschirurgie hat die Chirurgie des komplizierten Ulkus nicht an Bedeutung verloren. Die wesentlichen Komplikationen des gastroduodenalen Ulkus sind die Perforation, die Blutung und die Stenosierung des Magenausgangs sowie die Penetration in benachbarte Organe, wie das Pankreas oder das Ligamentum hepatoduodenale.

Diagnostik und Therapie bei Ulkuskomplikationen

Diagnostik

Therapie

Endoskopie / Histologie
ggf. Endosonographie

HP Eradikation medikamentöse Säurereduktion

Bei kompliziertem oder persistierendem Ulkus Operation nach differenziertem Konzept

Perforationen treten meistens bei Geschwüren im Pyloruskanal und im Bulbus duodeni auf, auch wenn sie insgesamt weniger häufig sind als Blutungen. Geschwüre im Pyloruskanal perforieren in der Regel an der Vorderwand während weiter proximal gelegene Magengeschwüre meistens zur kleinen Kurvatur hin perforieren. Viele Patienten werden von der Perforation überrascht und bieten ein klassisches klinisches Bild mit plötzlichem Schmerz und peritonitisch gespanntem Abdomen.

Die übliche Therapie einer Ulkusperforation besteht in der chirurgischen Übernähung. Weitere Maßnahmen, wie z. B. die früher kombinierte routinemäßige Vagotomie bei nicht ausgeprägter Peritonitis gehören, nach den neuen pathophysiologischen Vorstellungen, eher der Vergangenheit an. Ziel der chirurgischen Therapie ist es, das Leck dauerhaft abzudichten.

Nach langdauernder Ulkusanamnese kann es zu ausgeprägten Vernarbungen und Stenosen im Bereich des Magenausgangs kommen. Diese Befunde dürfen nicht mit der Verschwellung der Duodenalwand beim akuten Ulkus verwechselt werden. In jedem Fall sollte zunächst versucht werden, durch konservative Maßnahmen das Ulkus abzuheilen, um die lokal entzündlichen Veränderungen des Gewebes zu minimieren, bevor der operative Eingriff stattfindet. Für die Beseitigung der Stenose kommt einerseits eine Manschettenresektion in Frage.

Ist die Stenose ausgedehnt und erscheint der Duodenalstumpf für eine Anastomosierung zu problematisch, kann man sich zu einer distalen Magenresektion entscheiden. Die Rekonstruktion erfolgt dann in aller Regel durch eine Billroth II oder eine Roux Y Rekonstruktion.

Nur bei der massiven, endoskopisch unstillbaren Ulkusblutung ist gegenwärtig eine Sofortoperation unumgänglich, was in der Regel bei weniger als 3% der Ulkusblutungen notwendig ist. Bei allen anderen aktiven Blutungen wird durch die Notfallendoskopie und die endoskopische Blutstillung zunächst Zeit gewonnen. Die Injektionsmethode erscheint das von der Kosten-Nutzen-Relation effektivste und sinnvollste Verfahren derzeit zu sein. Anschließend können die konservative Ulkustherapie und auch die Eradikationstherapie begonnen und das Ulkus zur Abheilung gebracht werden, um damit weitere Blutungsrezidive zu vermeiden. Sind bei einem Patienten mehrere Risikofaktoren vereint, z.B. ein großes Geschwür mit einem großen blutenden Gefäß an der Magenhinterwand bei gleichzeitig reduziertem Allgemeinzustand des Patienten, so kann man sich bei einem solchen Patienten kein weiteres Blutungsrezidiv erlauben. Hier ist eine frühelektive Operation indiziert.

Magentumore

Gutartige Tumoren des Magens
Gutartige Tumoren sind relativ selten. Sie machen etwa 5% aller Magentumoren aus und werden häufig als Zufallsbefund bei unspezifischen epigastrischen Beschwerden entdeckt. Hierunter fallen hyperplasiogene Polypen und adenomatöse Polypen, die in etwa 10-15% entarten können. Unter den mesenchymalen Tumoren sind Leiomyome und Neurinome am häufigsten. Diese Gruppe der Tumoren wird gegenwärtig als gastrointestinale Stroma-Tumoren (GIST) zusammengefaßt. Die Tumoren können auf einem Durchmesser von ca. 1 cm ulzerieren und auch ins Magenlumen bluten.

Magen-Lymphome
Magen-Lymphome machen weniger als 5% der Magenmalignome aus. Es wird das Hodgkin-Lymphom vom Non-Hodgkin-Lymphom unterschieden (primär nodale und primär extranodale Lymphome). Der Magen ist mit rund 2/3 der Fälle am häufigsten befallen in der Gruppe der primär extranodalen NHL, die die größte Gruppe der Lymphome im GI-Trakt darstellen. Für die Chirurgie sind besonders interessant die niedrig- und hochmalignen Lymphome des Mucosa-assoziierten lymphatischen Gewebes (MALT) bei den B-Zell-Lymphomen.

Magenkarzinom (Tabelle)
Die Prävalenz des Magenkarzinoms ist ingesamt im Rückgang begriffen. Das klinische Bild ist geprägt durch Gewichtsverlust, epigastrische Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Anorexie, Dysphagie und Blutungen sind ebenfalls assoziiert. Leider sind die Beschwerden beim Frühkarzinom deutlich weniger ausgeprägt und in 70-80% ist das Frühkarzinom asymptomatisch.

Diagnostik und Therapie beim Magenkarzinom

Diagnostik

Therapie

Endoskopie / Histologie
Endosonographie
Sonographie
Computertomographie
(Laparoskopie)

R-0-Resektion und
D-2-Lymphadenektomie
oder
palliative Resektion bei Komplikationen

Nach wie vor ist die chirurgische Therapie des Magenkarzinoms die entscheidende und einzig kurative Behandlungsmaßnahme dieser Erkrankung. Das Operationsziel muss die Entfernung des tumortragenden Magens mit entsprechenden Sicherheitsabständen sowie die Exzision des Lymphabflußgebietes sein. Gegenwärtig gilt die sog. D-2-Lymphadenektomie mit Entnahme der Lymphknoten-Kompartimente 1 und 2 als Standardvoraussetzung. Hierbei ist zu bemerken, dass das Resektionsausmaß am Magen, d. h. die Notwendigkeit einer totalen Gastrektomie, nicht zwingend ist, sondern in Abhängigkeit von der Lokalisation des Tumors erfolgen kann. Mit ausreichendem Sicherheitsabstand von 10 cm kann auch beim diffusen Typ, bei dem besonders auf die Multizentrizität des Tumors geachtet werden muss, eine onkologische subtotale Gastrektomie mit entsprechender Lymphadenektomie durchgeführt werden.

Die Morbiditätsrate nach onkologisch radikaler Gastrektomie liegt zwischen 20 und 30% und die Letalität sollte unter 5% liegen. Die Prognose bei R-0-resezierten Patienten wird für die Fünfjahresüberlebensrate mit etwa 50% angegeben. Verschiedene Rekonstruktionsformen sind bekannt.

  
 
 

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Aktualisiert: 16.12.2008


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